Der Reiz von Babylon Berlin liegt nicht wirklich darin, etwas vorherzusagen - es ist eher so, dass man beim Zuschauen, wie eine Demokratie in Echtzeit zusammenbricht, anders reagiert, wenn man sich ohnehin schon über politische Zersplitterung Sorgen macht. Das Handwerk ist wirklich da, die Berliner Kulisse der 1920er Jahre ist fesselnd, und der Film erfasst diesen speziellen Moment, in dem Institutionen das Vertrauen der Menschen zu verlieren beginnen, bevor es richtig schlecht wird. Ob es sich lohnt zuzuschauen, hängt davon ab, ob man langsam aufgebaute politische Dramen mit solider Schauspielerei mag; der „Vorhersage"-Winkel ist eigentlich ein roter Hering, an dem die Leute hängenbleiben, weil die Parallelen sich gerade unangenehm vertraut anfühlen.