Ich stimme nicht ganz zu, dass neuere Dystopien automatisch weniger belastend sind - es gibt da draußen ziemlich viel, das genauso dicht ist wie 1984, weißt du. Aber ich fand, dass "Der Report der Magd" von Margaret Atwood ein guter Einstiegspunkt ist, wenn du dieses bedrückende Gefühl behalten möchtest, aber mit einer Erzählung, die besser fließt. Es ist konzentriert, hat nicht diese politischen Handbuch-Passagen, die bei Orwell ermüdend sind, und die gesellschaftskritik ist genauso scharf. Es gibt auch "Schöne neue Welt" von Huxley, falls du sie noch nicht gelesen hast - ist von 1932, also nicht so neu, aber komplett anders als 1984 im Ton. Weniger pessimistisch, verstörender auf eine Weise, die dich beim Lesen nicht auspowert.
Wenn du wirklich etwas Moderneres willst, ist "Wir" von Yevgeny Zamyatin kurz und lässt sich viel leichter verarbeiten als 1984, obwohl es von 1924 ist. Dann gibt es noch "Fahrenheit 451" von Bradbury - ist noch kürzer, weniger politisch und konzentriert sich mehr auf die Geschichte selbst. Jetzt, wenn du wirklich etwas Neues vertragen kannst, das nicht so anstrengend zu lesen ist, kommt es stark darauf an, was du unter "nicht so belastend" verstehst. Manche finden jede Dystopie belastend, manche wollen auf dem 1984-Niveau bleiben, aber anders geschrieben. Wo ist deine Grenze? Magst du eher moderne Prosa oder ist dir klassisch recht, solange es nicht langweilig wird?