Ölpreise weltweit sind stark gefallen
Nachricht über den Rückgang der Ölpreise. Wird das irgendwie die Benzin- und Heizungspreise beeinflussen? Sollte man mit einer Tarifreduzierung rechnen?
Nachricht über den Rückgang der Ölpreise. Wird das irgendwie die Benzin- und Heizungspreise beeinflussen? Sollte man mit einer Tarifreduzierung rechnen?
Man sollte nicht damit rechnen, dass die Tarife schnell sinken - das funktioniert normalerweise langsamer als die Schwankungen der Weltmarktpreise. Auch wenn das Öl erheblich gefallen ist, wirkt sich das auf die Endpreise für den Verbraucher vielfältig aus: es gibt Steuern, Verbrauchssteuern, Gewinnmargen von Zwischenhändlern, Logistik. Hinzu kommt, dass verschiedene Regionen ihre eigenen Preisbildungsschemata haben, besonders bei der Heizung.
Das Wichtigste, das man oft vergisst zu erwähnen - der Wechselkurs kann den Ölpreisfall völlig aufheben. Wenn der Rubel in derselben Zeit schwächer wird, könnte Benzin an der Tankstelle sogar teurer werden, obwohl die Rohstoffbasis billiger wird. Ob das passiert oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab, die nicht immer direkt mit dem Öl selbst zusammenhängen.
Auf Benzin könnte es früher Auswirkungen haben als auf Heizung, zumindest weil Tankstellen schneller auf Schwankungen reagieren. Bei Heizung ist es komplizierter - die Tarife werden oft für ein Jahr im Voraus festgelegt und selten neu berechnet, auch wenn sich die Bedingungen geändert haben. Wenn es überhaupt zu einer Senkung kommt, merkt ihr beim Benzin eher etwas, bei der Heizung nicht.
Der Rückgang der Ölpreise führt nicht immer zu niedrigeren Preisen an der Tankstelle - vieles hängt vom Wechselkurs und der Steuerpolitik ab, daher sollte man nicht mit einer direkten Korrelation rechnen. Auf die Heizkosten wirkt sich das langsamer aus, und die Tarife werden normalerweise nicht sofort angepasst, sondern nach Plan überprüft.
In der Praxis funktioniert das durch sehr unvorhersehbare Zeiträume, weil man nicht auf ein einzelnes Ereignis wartet, sondern auf eine Kombination von jede Menge Faktoren. Neben dem bereits Genannten - Wechselkurs und Steuern - gibt es noch Bestände an Tankstellen, Lagerverträge, die für Monate im Voraus abgeschlossen werden. Ein bekannter von mir hat das mal durchgerechnet: als das Öl 2020 zusammenbrach, musste man an der Zapfsäule anderthalb Monate auf eine spürbare Veränderung warten. Also wenn der Preis gestern gefallen ist, mach dir nichts draus - das Ergebnis kann kommen, muss dir aber nicht unbedingt erreichen.
Das Wichtigste zu verstehen: Der Ölpreis und der Preis an der Tankstelle sind nicht dasselbe. Dazwischen gibt es eine riesige Schicht von Zwischenhändlern und Kosten. Selbst wenn ein Barrel um die Hälfte fällt, bedeutet das nicht, dass du sofort die Hälfte weniger zahlst. Da spielen Lieferung, Raffinerie, Lagerung, Steuern und die Gewinnmarge der Tankstelle eine Rolle - all das hängt nicht von den Weltmarktpreisen ab und bleibt auf dem gleichen Niveau.
Der zweite Punkt, den man oft vergisst: Es gibt so etwas wie Preisabsicherung und Lieferverträge. Große Tankstellenketten und Heizöllieferanten kaufen Brennstoff oft im Voraus zu einem festgelegten Preis ein. Das heißt, selbst wenn der Ölpreis im Juni fällt, kann eine Tankstelle noch ein halbes Jahr nach den alten Verträgen arbeiten. Deshalb sinken die Tarife und Benzinpreise so träge.
Man muss nicht warten, aber falls es zu einer Senkung kommt, dann frühestens in einigen Monaten. Und sie wird wahrscheinlich milder ausfallen, als die Nachricht vom Preisverfall klingt. Bei der Heizung (falls du mit Gas oder Heizöl heizt) wird sich das noch langsamer auswirken - die Tarife werden nach Plan neu berechnet, nicht jeden Tag.
Habt ihr auch schon bemerkt, dass sich die Preise an den Tankstellen nicht synchron mit den Weltölpreisen verändern? :) Ich habe vor ein paar Jahren einen Moment erwischt, als das Öl ordentlich fiel, aber an der Tankstelle in meiner Nähe stand der Preis noch ein, zwei Wochen auf dem alten Niveau. Dann ist er zwar gesunken, aber nicht dramatisch - es wurde am Ende etwa 10 - 15 Prozent billiger, obwohl der Rückgang viel heftiger war.
Bei der Heizung geht das noch viel langsamer, weil die Tarife normalerweise nach dem Ende einer Periode neu berechnet werden, nicht jede Woche. Dazu kommen noch Aufschläge für Lieferung, Netzunterhalt und alles Mögliche. Wenn also das Öl zusammenbricht, werdet ihr das auf eurer Heizkostenabrechnung nicht sofort und nicht vollständig bemerken.
Ein wichtiger Punkt - an den Tankstellen werden die Preise oft künstlich gehalten, selbst wenn Öl billiger wird, denn das ist ein Gewinnfenster für die Ketten. Der Rückgang der Weltmarktnotierungen kann sich an der Zapfsäule überhaupt nicht auswirken, wenn die Marge es erlaubt, den Preis zu halten. Bei der Heizung ist die Situation einfacher - dort funktioniert in der Regel ein langfristiger Vertrag, der saisonal oder nach einem anderen Schema neu berechnet wird, weshalb es nur zum nächsten Heizsaison Sinn macht, auf Änderungen zu warten.
Bei uns in der Region werden die Heizungstarife beispielsweise nur einmal im Jahr neu berechnet, normalerweise vor der Saison. Selbst wenn das Öl im Sommer fällt, wird bis zum Herbst niemand etwas senken. Außerdem heizen sich viele Menschen mit Gas, auf das sich die Weltölpreise ganz anders auswirken. Also muss man Monate auf Veränderungen warten, und möglicherweise passiert gar nichts, wenn parallel die Steuern steigen oder noch etwas anderes geschieht.
Es gibt noch einen Punkt, den man oft übersieht - den Unterschied zwischen Großhandelsprisen auf dem Weltmarkt und dem, was wir an der Tankstelle oder in den Heizungsrechnungen sehen. Öl wird in Dollar gehandelt, und deshalb spielt der Rubel-Kurs eine große Rolle. Wenn der Ölpreis gleichzeitig mit einer Rubelabwertung fällt, kann der Effekt auf den Geldbeutel viel schwächer ausfallen, als die Schlagzeile verspricht 😅
Und dann ist da noch die Zeit. Bei Tankstellen-Kraftstoff geht es schneller (eine bis zwei Wochen), weil das ein liquiderer Rohstoff ist. Bei der Heizung ist das eine ganz andere Geschichte - Tarife werden normalerweise nicht sofort und nicht bei jeder Schwankung angepasst, sondern nach festgelegten Verfahren. Und selbst wenn der Tarif offiziell gesenkt wird, ist nicht garantiert, dass du die Differenz in der Rechnung in dieser Heizperiode merkst.
Kurz gesagt, es ist interessant zu beobachten, aber man sollte nicht mit schnelleren Preissenkungen rechnen 🤷
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