Das Wichtigste ist, dass Papier ein Gefühl von Kontrolle vermittelt, das das Handy dir nimmt. Wenn du von Hand schreibst, ist das dein persönlicher Raum, keine Algorithmen überwachen, welche Gedanken du aufschreibst, und es wird dir nichts statt des Tagebuchs vorgeschlagen. Eine App kann jederzeit durch ein Update abstürzen, sich in die Cloud synchronisieren oder verschwinden, wenn das Unternehmen den Service einstellt. Aber ein Notizbuch - es liegt einfach in deiner Schublade und gehört dir immer.
Es gibt noch einen physischen Aspekt, den man oft übersieht. Wenn du von Hand schreibst, kannst du nicht mit Gedankengeschwindigkeit schreiben - du musst dich verlangsamen, umformulieren, die Worte sorgfältig wählen. Das ist kein Nachteil, sondern das Gute daran: Du verstehst deine Gefühle besser, weil du nicht einfach einen Gedankenstrom aufschreibst, sondern jeden Satz wirklich durchlebst. In einer App ist es leicht, eine Textwand hinzuklotzen, die man danach gar nicht noch mal lesen will. Außerdem sieht man auf dem Papier die Handschrift je nach Stimmung - das schafft eine zusätzliche Informationsebene darüber, in welchem Zustand du warst.
Und das Letzte betrifft das Gedächtnis. Wenn du in ein Notizbuch schreibst, bildest du eine Gewohnheit, ein Ritual. Du erinnerst dich, was du vor drei Wochen auf der linken Seite geschrieben hast, weil du dich erinnern kannst, wie du die Feder hältst, wie du saßest. In einer App ist alles einheitlich, alles in der gleichen Schriftart, in der gleichen Benutzeroberfläche. Für das Gehirn ist es schwieriger, das zu verankern, und die Notizen bleiben nicht so gut im Gedächtnis haften.