Warum veröffentlichen moderne Autoren ihre Bücher immer häufiger selbst?

Mir ist aufgefallen, dass viele Autoren in letzter Zeit ihre Werke auf Plattformen wie Litres hochladen oder im Selbstverlag veröffentlichen. Stimmt da etwas mit den traditionellen Verlagen nicht? Oder ist das einfach zur Mode geworden?

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Ich denke, das liegt nicht daran, dass traditionelle Verlage plötzlich schlechter geworden sind, sondern daran, dass es jetzt echte Alternativen gibt. Früher war es praktisch unmöglich, ein Buch ohne einen Verlag zu verbreiten, heute kann ein Autor den Text selbst auf Litres hochladen oder sich für eine andere Plattform entscheiden - und dann sehen Tausende Leser das Buch, ohne dass der Autor Monate damit verbringt, einen Agenten zu suchen und mit der Redaktion zu verhandeln. Außerdem bekommen Autoren einen größeren Prozentsatz von den Verkäufen, was für viele wichtiger ist als der Status eines klassischen Verlags. Das ist keine Mode, sondern einfach das Ergebnis davon, dass das Internet und digitale Technologien das Verlagsmonopol auf den Zugang zu Lesern gebrochen haben.

Plattformen wie Litres nehmen eine Provision, aber der Autor sieht sofort, was sich verkauft und wie viel er verdient - das ist eine direkte Verbindung zum Leser, die es bei der Arbeit mit einem Verlag nicht gibt. Verlage sind nötig für teure Druckproduktion und Vertrieb in Geschäfte, aber wenn du für das Internet schreibst oder bereit bist, die E-Book-Version zu verkaufen, wird dieser Service überflüssig.

So funktioniert es: Viele Autoren fangen mit Selfpublishing auf einer Plattform an, holen sich Feedback von Lesern, und wenn etwas abheben sollte, gehen sie später mit bewiesenem Bedarf an einen Verlag heran. Für Verlage ist es einfacher, mit einem Autor zu arbeiten, der bereits eine Leserschaft hat, als ins Ungewisse zu investieren. Am Ende ist Selbstpublikation keine Alternative zum Verlag, sondern ein Weg dorthin, falls nötig.

Vielleicht sind die Autoren einfach es leid zu warten? Verlage sind nicht schlechter geworden, aber sie funktionieren nach ihrer eigenen Logik: Man braucht einen Agenten, dann eine lange Manuskriptprüfung, dann Verhandlungen, dann eine Warteschlange für die Veröffentlichung. Das alles dauert Jahre. Und in der Zwischenzeit kann der Autor einfach sein Buch auf Litres hochladen - in zwei Wochen - und sofort anfangen zu verdienen. Dazu kommt volle Kontrolle: Man wählt selbst den Umschlag, den Veröffentlichungszeitpunkt, den Preis, die Formate.

Mir hat eine Bekannte die Geschichte ihrer Freundin erzählt, die Liebesromane schrieb. Zwei Jahre lang versuchte sie, einen Verlag zu überzeugen - nur Absagen, Absagen. Dann gab sie auf, veröffentlichte ihr Werk über eine der Self-Publishing-Plattformen - und plötzlich verkauften sich ihre Bücher richtig gut. Jetzt bringt sie jedes Jahr mehrere Bücher selbst heraus und verdient mehr, als sie sich durch einen traditionellen Verlag je hätte träumen lassen. Es stellte sich heraus, dass ihr Publikum nach ihr im Internet suchte, nicht in Buchhandlungen.

Die Frage ist: Für einen großen Teil der Autoren ist Self-Publishing nicht eine Folge der Krise in der Verlagsbranche, sondern einfach die praktischere Lösung. Man braucht einen Verlag, wenn man in Geschäfte will, auf die Regale, auf Literaturpreislisten. Aber wenn das Hauptpublikum in sozialen Netzwerken sitzt und über Apps liest - warum auf einen Verleger warten?

Selbstverlegen gibt dir vollständige Kontrolle über den Prozess, die Fristen und die Gestaltung, aber da ist der Haken - der Autor übernimmt die ganze Arbeit des Verlags: nicht nur die Kosten für Lektorat und Satz, sondern auch das Marketing, das Verlage viel effektiver können. Auf den Plattformen gibt es so viele Bücher, und ohne Promotion geht dein Werk einfach in der Flut unter, egal wie viel es kostet oder wie gut es geschrieben ist. Deshalb funktioniert Selbstverlegen eigentlich nur für bereits bekannte Autoren oder für ein spezialisiertes Publikum, das weiß, wo es suchen muss.

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