Vielleicht sind die Autoren einfach es leid zu warten? Verlage sind nicht schlechter geworden, aber sie funktionieren nach ihrer eigenen Logik: Man braucht einen Agenten, dann eine lange Manuskriptprüfung, dann Verhandlungen, dann eine Warteschlange für die Veröffentlichung. Das alles dauert Jahre. Und in der Zwischenzeit kann der Autor einfach sein Buch auf Litres hochladen - in zwei Wochen - und sofort anfangen zu verdienen. Dazu kommt volle Kontrolle: Man wählt selbst den Umschlag, den Veröffentlichungszeitpunkt, den Preis, die Formate.
Mir hat eine Bekannte die Geschichte ihrer Freundin erzählt, die Liebesromane schrieb. Zwei Jahre lang versuchte sie, einen Verlag zu überzeugen - nur Absagen, Absagen. Dann gab sie auf, veröffentlichte ihr Werk über eine der Self-Publishing-Plattformen - und plötzlich verkauften sich ihre Bücher richtig gut. Jetzt bringt sie jedes Jahr mehrere Bücher selbst heraus und verdient mehr, als sie sich durch einen traditionellen Verlag je hätte träumen lassen. Es stellte sich heraus, dass ihr Publikum nach ihr im Internet suchte, nicht in Buchhandlungen.
Die Frage ist: Für einen großen Teil der Autoren ist Self-Publishing nicht eine Folge der Krise in der Verlagsbranche, sondern einfach die praktischere Lösung. Man braucht einen Verlag, wenn man in Geschäfte will, auf die Regale, auf Literaturpreislisten. Aber wenn das Hauptpublikum in sozialen Netzwerken sitzt und über Apps liest - warum auf einen Verleger warten?