Warum war es früher trendy, Glückwunschkarten zu verschenken, und heute schreiben alle nur noch in Nachrichten?

Ich erinnere mich, wie Papas in den Nullerjahren immer eine schöne Glückwunschkarte zum Geburtstag von Mama ausgesucht hat, und dann hat sie die im Schrank aufbewahrt. Jetzt schreiben alle einfach „Alles Gute zum Geburtstag!" auf WhatsApp oder Telegram. Gilt das als weniger persönlich?

2 Antworten

Grußkarten waren beliebt, weil es einfach keine Alternativen gab - man musste ins Geschäft gehen, auswählen, bezahlen und einen physischen Gegenstand schenken. Heute verschickt man eine Nachricht in einer Sekunde, und das ist bequemer, aber hier ist das Lustige: Wenn eine Grußkarte im Schrank liegt, findet man sie immer wieder und erinnert sich daran, während eine Nachricht im Feed nach einer Stunde untergeht. Weniger persönlich? Nein, das hängt ganz davon ab, was du schreibst - ein banales „alles Gute" aus einem Newsletter ist das eine, aber ein ergreifender Brief im Messenger ist etwas ganz anderes. Es ist einfach nur so, dass sich Persönlichkeit jetzt in Worten ausdrückt, nicht in der Wahl einer schönen Postkarte.

Digitale Grußkarten - das ist eine Zwischenlösung, die viele übersehen. 2026 gibt es Apps wie Postable oder sogar Moonpig, wo man echte Grußkarten versenden kann, aber in digitaler Form mit schönem Design, möglicherweise mit Video oder Musik. Die Person erhält das wie ein echtes Geschenk, nicht wie eine schnelle Nachricht im Chat. Es dauert buchstäblich nur ein paar Minuten länger als eine Textnachricht zu schreiben, aber es fühlt sich ganz anders an.

Eigentlich denke ich, dass es nicht so sehr um die Persönlichkeit geht, sondern um die Absicht. Damals, wenn Papa eine Grußkarte ausgesucht hat, hat er vorher bereits darüber nachgedacht und danach gesucht, sie zwischen anderen zu finden. Heute vergessen Menschen den Geburtstag oft erst in letzter Minute und schreiben sofort eine Nachricht. Aber wenn man sich selbst vorwarnt, eine schöne digitale Grußkarte versendet oder sogar eine physische per Post bestellt - dann entsteht genau dieses Gefühl von Fürsorge, das es damals gab. Mama hätte sich Papas Grußkarte wahrscheinlich nicht nur deshalb gemerkt, weil es ein physisches Objekt war, sondern auch deshalb, weil er Zeit und Aufmerksamkeit dafür aufgewendet hat.

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