Erst mal zu verstehen, was dich denn an Dostojewski so fasziniert. Wenn du seine psychologische Analyse magst - wie er zeigt, was im Kopf eines Helden in dem Moment einer moralischen Weggabelung abläuft - dann versuch Camus. „Der Fremde" ist vom Umfang und Stil völlig anders, aber da läuft die gleiche Arbeit mit dem Absurden ab, damit, wie ein Mensch vor der Unmöglichkeit einer Wahl zusammenbricht. Es ist nicht direkt ähnlich, aber es ergänzt sich gegenseitig beim Lesen.
Wenn dich aber gerade die ideologischen Debatten packen, wenn Figuren nachts über Gott, Moral und Sinn streiten - dann ehrlich gesagt, solltest du eher bei Philosophen schauen als bei Schriftstellern. Oder doch Tolstoi (da stimme ich dem vorherigen Antwortenden zu), aber da geht es gemächlicher zu, die Philosophie sitzt mehr in den Lebendetails, nicht in den Hysterie-Anfällen. Es gibt auch noch Schestow, aber das sind eigentlich keine Romane im klassischen Sinne mehr.
Wichtigste Sache - fall nicht in die Vergleichsfalle. Ich schnapp mir ständig ein Buch, erwarte mir „wie in meinem alten Lieblingsbuch", und dann bin ich enttäuscht, weil es völlig anders ist, obwohl es an sich ganz okay ist. Besser nicht nach „ähnlich wie" aussuchen, sondern nach „in einer ähnlichen Sparte, aber mit eigenem Ding". Sonst wirken alle anderen Autoren später nur noch langweilig daneben.