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Ich würde nicht den Fehler machen zu denken, dass Smartphones einfach nur dokumentiert haben, was ohnehin passiert wäre. Sie haben radikal verändert, was wir uns merken und wie wir uns daran erinnern. Inzwischen haben wir Fotos von allem, aber paradoxerweise funktioniert das Gedächtnis nicht so - wenn du weißt, dass du einen Moment mit dem Handy aufgezeichnet hast, merkt sich dein Gehirn ihn schlechter. Es ist wie, die Erinnerung ans Gerät zu delegieren, und dann verlierst du vielleicht die Datei oder schaust sie dir einfach nie wieder an.

Was wirklich passiert ist: Die zeitgenössische Geschichte ist viel visueller und unmittelbarer geworden, aber auch fragmentarischer. Die letzten 10 Jahre erinnern wir uns durch Screenshots, TikTok, Memes, schlecht gefilmte Clips aus dem falschen Winkel. Riesige Ereignisse haben wir zuerst übers Handy erfahren, nicht übers Fernsehen oder die Zeitung. Was merken wir uns wirklich gut? Oft das, was viral geworden ist - nicht unbedingt das, was wichtig war.

Ein anderer Aspekt: Unsere Smartphones haben uns ein selektives und ein bisschen verfälschtes Gedächtnis geschaffen. Alle angenehmen Erinnerungen landen auf Instagram, die unangenehmen bleiben in der Schublade. Wenn wir also auf die letzten 10 Jahre durch unsere Geräte zurückblicken, sehen wir eine polierte Version der Realität. Es ist ein kollektives Gedächtnis, das aus Schnipseln zusammengesetzt ist, immer online, immer verfügbar - aber dem es an Tiefe und Kontextualisierung mangelt.

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