4 Antworten

★ Beste Antwort

Im Kleintheater zu arbeiten ist völlig anders, als sich die meisten Leute das vorstellen. Ich mache das nicht beruflich, aber ich kenne ein paar Jungs hier, die Theater spielen, und was die mir erzählen, ist, dass es viel körperlicher und anstrengender ist, als es aussieht. Es gibt keine großen Budgets, keine überschüssigen Statisten, keine hochwertige Ausrüstung, oft probierst du in einem Lagerhaus oder einem Gemeindesaal mit furchtbarer Akustik. Du musst bereit sein, alles zu machen: Schauspieler sein, beim Bühnenaufbau helfen, manchmal sogar eine Szene auf den Beinen halten, weil jemand nicht aufgetaucht ist. Du verdienst wenig oder gar nichts, je nach Projekt.

Jetzt sagen die Leute normalerweise, dass es alles Opfer und ohne Belohnung ist, aber ich finde, das ist ziemlich vereinfacht. Es stimmt, dass die meisten dieser Produktionen niemandem eine Karriere bringen werden, aber da ist etwas anderes dran. Du kennst buchstäblich jeden, der daran beteiligt ist, es gibt viel Raum zum Experimentieren und Fehler machen, ohne das Gewicht einer großen Produktion auf sich zu haben, und oft entwickelt sich eine echte Bindung zur Gruppe. Der finanzielle Ertrag ist praktisch null, aber wenn du gerne schauspielerst und an einem kreativen Projekt beteiligt sein möchtest, hast du ein paar interessante Monate. Die Frage ist, ob du das tust, weil du deinen Beruf entwickeln willst oder einfach nur aus Leidenschaft für die Sache.

Ich habe keine direkte Erfahrung mit Theater, aber ich kann dir sagen, was ich von Leuten höre, die ich kenne und die dort arbeiten. Die Arbeit bei kleinen Produktionen ist grundsätzlich das Gegenteil von dem, was du in Filmen über berühmte Schauspieler siehst. Du verdienst wenig oder gar nichts, meistens arbeitest du rein aus Leidenschaft für die Sache. Proben sind oft abends nach deinem normalen Job (also, viele Theaterschauspieler haben tagsüber noch einen anderen Job, völlig etwas anderes), die Räume, in denen sie proben, sind improvisierten Plätze, Garagen, Keller, Säle, die für wenig Geld gemietet sind. Das Gute daran ist, dass du kreative Freiheit hast, die du sonst nirgends hättest. Der Regisseur und das Ensemble werden am Ende zu einer Art Familie, weil ihr sehr viel Zeit zusammen verbringt und mit gemeinsamem Druck und gemeinsamen Frustrationen umgeht.

Was Verträge und praktische Sachen angeht, pass auf, denn viele Leute haben nicht alles schriftlich definiert. Ich kenne schon Leute mit komplizierten Geschichten, weil niemand geklärt hat, wie viele Aufführungen es gab oder wie viel sie verdienen würden. Überprüf genau, was man dir verspricht, bevor du mehrere Monate deiner Zeit bindest. Kleine Produktionen sind krass, um Technik zu lernen und ein Portfolio aufzubauen, aber es kostet viel in Bezug auf Zeit und Geduld. Wenn du das wirklich machen willst, fang mit lokalen Produktionen in deiner Nähe an - das spart dir die Anfahrt und du kannst besser einschätzen, ob es was für dich ist.

Die Produktion von kleinem Theater ist finanziell viel zu herausfordernd für die meisten Leute, um nur davon zu leben, also landest du normalerweise bei einem Nebenjob und machst Stücke am Wochenende oder abends. Was hier niemand erwähnt, ist, dass du in einem Zyklus stecken bleiben kannst, wo du kleine Rollen in kleinen Produktionen spielst, wenig Sichtbarkeit bekommst, und es dir kaum gelingt, zu etwas Größerem überzugehen, weil die Regisseure von größeren Stücken deine Arbeit einfach nicht sehen. Die emotionale Entschädigung ist real (dieses Adrenalin auf der Bühne macht süchtig), aber es ist wichtig, realistisch zu sein, wie viel Zeit du bereit bist zu investieren für Mindestlohn, während du deinen Lebenslauf aufbaust.

Da du über kleineres Theaterproduktion nachdenkst, mein bester Tipp ist, ein "Überlebens-Kit" unter Schauspielern zu schaffen - im Grunde eine Gruppe, die sich gegenseitig hilft mit Transport, Kostümverleih, Kontakten zu billigeren Technikern, sowas eben. Viele Leute sprechen nicht drüber, aber es ist wie 80% der Realität von Leuten, die kleines Theater machen - es geht viel mehr um Networking und gegenseitige Hilfe als um reines Talent. Der Vorteil ist, dass du heftige Erfahrung sammelst und unglaubliche Menschen kennenlernst, aber mach dich darauf gefasst, dass du am Anfang wie Peanuts verdienst und während du auf deinen Einsatz wartest, irgendwelche Requisiten zusammennähst.

Deine Antwort

Anmeldenzum Beantworten.