Der zuverlässigste Weg, um echten Stil von komfortabler Gewohnheit zu unterscheiden, ist, bewusst *gegen* deine Instinkte zu schreiben - für ein paar Texte - und dann zu vergleichen, auf welche Reaktionen von Lesern deine ganze Arbeit eigentlich stößt.
Wenn du dich selbst zwingst, in einer anderen Stimme zu schreiben - kürzere Sätze, wenn du von Natur aus ausschweifend bist, oder blumige Beschreibungen, wenn du sonst alles reduzierst - wirst du Muster bemerken in dem, was das Feedback konsistent bleibt versus was sich ändert. Wenn Leser immer wieder dieselbe Qualität in deiner Arbeit erwähnen, auch wenn du versucht hast, sie auszumerzen, ist das wahrscheinlich echte Stimme. Falls sich das Feedback drastisch je nach Experiment verschiebt, sitzt du vielleicht einfach in einer Komfortzone. Achte auch darauf, welche deiner Geschichten mühellos aus dir herausfließen und welche du durchdrücken musst. Echter Stil fließt normalerweise natürlich, aber das bedeutet nicht, dass er oberflächlich ist - es bedeutet, dass du etwas Echtes über deine Wahrnehmungsweise internalisiert hast.
Ein anderer Blickwinkel: Lies deine Arbeit neben Autoren, deren Stil du bewunderst, dann neben Autoren, die in völlig anderen Modi arbeiten. Kannst du konkrete Wahlen identifizieren, die du triffst und die von beiden abweichen? Wie, vielleicht entschärfst du Emotion immer mit Humor, oder du bauest Spannung über Pacing statt über Plot auf. Diese konkreten, wiederkehrenden Wahlen über mehrere Texte hinweg - nicht nur eine Geschichte - deuten darauf hin, dass du eine echte Stimme entwickelst, nicht nur komfortable Muster wiederholst. Das Feedback deiner Schreibgruppe ist wichtig, aber achte auf *Spezifität*. „Das klingt nach dir" ist anders als „Ich liebte diese Figur" oder „dieser Satz ist unbeholfen." Das erste deutet auf entstehenden Stil hin; das zweite könnte einfach nur aufmunternde Unterstützung sein. Nach drei Jahren bist du wahrscheinlich an dem Punkt, wo du anfangen kannst, deinem eigenen Ohr zu trauen - bei der Frage, welches Feedback auf etwas Echtes hinweist versus was nur unterstützend gemeint ist.