Erbe ausschlagen wegen Kryptowährungen - wie geht das?

AN Andreas24 DE 📗 Student 👁 55 ⚑ Melden Erbrecht

Mein Onkel ist vor zwei Monaten gestorben und hat angeblich Bitcoin und Ethereum im großen Stil gesammelt. Die Bank sagt, die finden das Geld nicht in seinen normalen Konten. Jetzt bin ich unsicher: Kann ich das Erbe ausschlagen, wenn ich nicht weiß, wie viel Schulden dahinter stecken könnten? Und wie findet man überhaupt raus, ob jemand Kryptos hatte?

5 Antworten

★ Beste Antwort

Kryptobörsen wie Kraken oder Coinbase speichern Transaktionshistorien - wenn du Zugriff auf seine E-Mail-Adresse oder seinen Laptop kriegst, kannst du dort einfach eine Passwort-Zurücksetzen-Mail anfordern und siehst sofort, ob er dort angemeldet war. Das ist deutlich schneller als auf die Justiz zu warten. Danach weißt du wenigstens, ob es tatsächlich was zu fürchten gibt, bevor du innerhalb der drei Monate unterschreibst oder eben nicht. Viele vergessen auch, dass Krypto-Wallets in Notizen, Passwortmanagern oder sogar handschriftlich notiert sein können - also gründlich die Unterlagen des Onkels durchforsten, bevor man eine Entscheidung trifft.

Das Erbe ausschlagen geht relativ einfach - du brauchst eine Erklärung beim Nachlassgericht oder beim Notar, und das muss meines Wissens innerhalb von drei Monaten nach Bekanntwerden des Todesfalls passieren. Die gute Nachricht: Du musst dich nicht auf Schätzungen einigen oder alles durchleuchten, bevor du die Ausschlagung erklärst. Es reicht, dass du sagst, du schlägst das Erbe aus - fertig. Das ist sinnvoll, wenn du wirklich nicht einschätzen kannst, ob Schulden überwiegen, und das Risiko nicht eingehen willst.

Bei den Kryptowährungen wird es kniffliger, weil die eben nicht bei Banken auftauchen. Der Erbe (oder bei Ausschlagung die Behörde) müsste sich die E-Mails, Zugangsdaten, Hardware-Wallets oder Papierkopien von Private Keys deines Onkels anschauen. Wenn es Konten bei Börsen wie Kraken, Binance oder ähnlichen gab, müssen die über die Sterbeurkunde informiert werden. Manchmal findet man auch Hinweise in seinen Unterlagen, auf Rechnungen oder über Transaktionshistorien. Das Problem: Wenn man keinen Zugang findet, ist das Geld praktisch weg und kann nicht mehr bewegt werden - das ist dann aber auch kein Vermögen, das du erben würdest.

Mein Rat: Sprich mit einem Erbrecht-Anwalt oder beim Nachlassgericht nach, wie lange du noch hast und ob es Sinn macht, vorher noch ein bisschen zu recherchieren. Wenn du dir unsicher bist und die Schulden das Positive überwiegen *könnten*, ist Ausschlagung die sichere Variante. Du gibst dann alles ab, aber hast auch keine Verpflichtungen.

Bevor du ausschlägst, lass die Nachlassverwaltung erst eine Gläubigeraufstellung machen - das Nachlassgericht kann den Erben zur Vermögensrecherche verpflichten, und da kommen Kryptos oft ans Licht, wenn der Onkel sie irgendwo registriert hatte (Exchanges speichern KYC-Daten, die lassen sich notfalls abfragen). Die Drei-Monats-Frist läuft ab dem Tag, an dem du vom Tod erfährst, also hast du noch Zeit - nutze sie, um wenigstens grob zu ermitteln, ob es große Schulden gab; wenn die Summe der Verbindlichkeiten deutlich größer ist als Immobilien oder sonstige Assets, dann macht Ausschlagung Sinn.

Nicht einfach so ausschlagen, ohne vorher zu checken, was überhaupt auf dich zukommt - das wäre doof. Du hast drei Monate Zeit ab dem Todesfall, um dich zu entscheiden, aber in der Zeit solltest du den Nachlass ordentlich durchforsten. Bei Kryptos ist das tückisch, weil die eben nicht auf klassischen Konten auftauchen.

Fang damit an, alle Unterlagen deines Onkels durchzugehen: E-Mails, Passwörter (falls irgendwo notiert), Kontaktdaten zu Börsen wie Kraken oder Binance, Hardware-Wallets, Notizen etc. Viele Leute schreiben ihre Seed-Phrasen auf oder haben Passwort-Manager. Guck auch nach Steuererklärungen - da könnten Gewinne oder Trades vermerkt sein. Falls ihr auf gar nichts stoßt, könnt ihr auch bei den großen Börsen anfragen, ob dort ein Konto auf seinen Namen registriert war. Das dauert aber und ist nicht garantiert, dass die helfen.

Zur Ausschlagung selbst: Die kannte die vorherige Antwort ja schon, aber der Punkt ist - bevor du ausschlägst, sollte klar sein, ob das wirklich nötig ist. Wenn da tatsächlich große Cryptos sind, könnte das Erbe positiv sein. Wenn du aber absolut nichts findest und ernsthaft Angst hast vor versteckten Schulden, dann ja, beim Nachlassgericht eine Ausschlagungserklärung einreichen - aber das muss wirklich fristgerecht sein. Besser vielleicht vorher mit nem Anwalt klären, sonst bereust dus hinterher.

Ein wichtiger Punkt, den die anderen noch nicht erwähnt haben: Schau dir die Steuererklärungen deines Onkels der letzten Jahre an - da müssen Krypto-Gewinne oder zumindest größere Transaktionen auftauchen, weil das Finanzamt da mittlerweile ganz genau hinschaut. Das gibt dir einen realistischen Überblick, ob er wirklich im großen Stil gesammelt hat oder ob das nur ein Gerücht ist. Parallel dazu kannst du auch beim Finanzamt nachfragen, ob dort noch offene Steuerschulden für ihn eingetragen sind - die würde dein Erbe sonst belasten. Damit hast du schon mal konkrete Zahlen, bevor du dich entscheidest, ob du das Erbe ausschlägst oder nicht.

Deine Antwort

Anmeldenzum Beantworten.