Bei uns in der Schule waren die Prüfungen ganz anders, daher kenne ich mich mit allen Feinheiten des modernen Systems nicht besonders aus. Aber soweit ich aus dem verstehe, was ich gelesen habe, ist die mündliche Prüfung beim Einheitlichen Staatsexamen in Geisteswissenschaften wirklich eine bedeutende Änderung. Das Wichtigste, das man verstehen muss: Solche Reformen werden normalerweise schrittweise eingeführt, zuerst in Pilotregionen, dann erweitert man das. Das kann in Kraft treten, wie in einem Jahr, so auch in mehreren Jahren - alles hängt davon ab, in welchem Stadium sich die Vorbereitung zur Umsetzung befindet.
Für die jetzigen Absolventen (falls sie bereits abgelegt haben oder in den nächsten Monaten ablegen werden) wird sich höchstwahrscheinlich nichts ändern - sie werden mitten drin nicht auf das neue System umgestellt. Aber für diejenigen, die 2027 - 2028 und später ihren Schulabschluss machen werden, könnte es durchaus eine mündliche Prüfung geben, wenn alles nach Plan läuft. Das funktioniert ungefähr wie die Prüfungen in Fremdsprachen: Du gehst separat hin, setzt dich vor einen oder mehrere Prüfer, die stellen dir Fragen oder geben dir Aufgaben, und du antwortest laut.
Ob es schwieriger wird - das hängt vom Einzelnen ab. Manchen fällt es leichter, mündlich zu kommunizieren und zu improvisieren, für andere ist das Stress. Auf dem Papier kannst du nochmal lesen, ausbessern, länger nachdenken. Mündlich musst du deine Gedanken schnell formulieren und aussprechen. Dazu kommt der psychologische Faktor - der Prüfer hört zu direkt, sieht dich, das drückt auf viele. Andererseits ist Sprechfertigkeit eine nützliche Fähigkeit, und sie in einem echten Dialog zu prüfen ist fairer, als das über Testvarianten zu machen.