3 Antworten

★ Beste Antwort

Auf keinen Fall solltest du einfach davon ausgehen, dass das Finanzamt dich später einzeln daran erinnert oder dass du die Steuern irgendwie später "nebenbei" zahlen kannst. Das führt garantiert zu Ärger und im worst case zu Strafzinsen. Ja, du musst als Freiberufler Rücklagen für Steuern bilden - und das sollte deine erste Priorität sein, sobald Geld reinkommt.

Das Problem ist, dass dein Nettoeinkommen nicht gleich das ist, was du nach Hause nehmen kannst. Vom Bruttoeinkommen musst du Einkommensteuer (und Solidaritätszuschlag, falls relevant), Kirchensteuer (falls applicable) und Kranken- sowie Pflegeversicherung zahlen. Bei Freiberuflern ist da niemand, der dir das automatisch vom Gehalt abzieht wie bei Angestellten. Die meisten Leute legen sich ein extra Konto an, auf dem sie direkt nach jeder Rechnung einen festen Prozentsatz oder einen bestimmten Betrag zur Seite legen. Wie viel das genau ist, hängt von deinem Einkommen, deinem Bundesland und ob du kirchensteuerpflichtig bist ab - aber rechne mit 30-40% deines Gewinns insgesamt, um auf der sicheren Seite zu sein. Manche fahren auch mit weniger gut, wenn sie genau kalkulieren, aber lieber etwas zu viel als zu wenig.

Zusätzlich dazu solltest du dir ne Buchhaltung machen, damit du beim nächsten Steuerbescheid nicht überrascht wirst. Wenn du dich selbstständig machst oder gerade angefangen hast, ist auch eine Beratung beim Steuerberater oder der Handwerkskammer nicht verkehrt - die können dir genau sagen, wie viel du in deiner Situation zur Seite legen solltest. Es kostet was, spart dir aber später echte Kopfschmerzen.

Ich mach jetzt über zehn Jahre als Freiberuflerin und ich kann dir nur sagen: ja, die Rücklagen sind essentiell. Bei mir war das anfangs total unterschätzt, weil ich dachte, mein Einkommen ist ja sichtbar und regelmäßig - dumm gelaufen. Die Einkommensteuer, Gewerbesteuer (falls zutreffend) und Sozialversicherungsbeiträge fallen alle am selben Jahr an, in dem du die Einnahmen machst, nicht erst im nächsten. Das Finanzamt wartet nicht ab und erinnert dich höflich - du zahlst einfach drauf und dann kann es unangenehm werden mit Strafzinsen und allem drum und dran.

Was mir persönlich geholfen hat und viele vergessen: leg nicht einfach einen pauschalen Prozentsatz zur Seite, sondern berechne realistisch für deinen Fall. Je nachdem, wo du lebst und wie dein Einkommen aussieht, braucht du vielleicht 35 - 45% Rücklagen insgesamt - nicht nur für die Steuern selbst, sondern auch für die Sozialversicherung. Mein Trick ist, dass ich quartalsweise abrechne, nicht nur einmal im Jahr. So sehe ich direkt, wo ich gerade stehe, und es fühlt sich weniger nach einem Schock im Dezember an. Viele Freiberufler arbeiten mit ihrer Steuerberaterin oder einem Programm wie Elster, um zumindest eine Vorausschätzung zu haben - das kostet ein bisschen, aber erspart dir echte Kopfschmerzen.

Die einfachste Lösung ist, dir monatlich einen festen Prozentsatz vom Umsatz zur Seite zu legen - bei mir funktioniert das so am besten, weil man dann nicht ständig rechnen muss und weniger in Panik verfällt, wenn die Nachzahlung kommt. Das mit "später nebenbei zahlen" ist wirklich naiv, da stimm ich zu, aber ehrlich gesagt unterschätzen viele auch, wie viel Puffer du brauchst, wenn dein Einkommen schwankt - manche Monate sind einfach dünn und dann freust du dich, dass du was zur Seite gelegt hast. 25-30% vom Netto sind meiner Erfahrung nach ein guter Anhaltspunkt, aber das hängt natürlich von deiner Steuerklasse und deinem Gewinn ab, also lieber mit nem Steuerberater klären.

Deine Antwort

Anmeldenzum Beantworten.