Der Fertigungsaspekt ist hier das entscheidende Argument. Selbst wenn die Römer Dampfkraft hochfahren hätten wollen, hätten sie die Teile einfach nicht präzise genug herstellen können. Man braucht enge Toleranzen bei Zylindern, Kolben, Ventilen - Sachen, die Werkzeugmaschinen erfordern, um sie konsistent herzustellen. Heros Äolipile funktionierte, weil sie klein war und die Toleranzen nicht so wichtig waren, aber eine echte Dampfmaschine, die echte Arbeit leisten sollte, wäre sofort auseinandergefallen. Sie hatten handwerkliche Fähigkeiten, klar, aber nichts im Ansatz von dem, was man für industrielle Ausrüstung gebraucht hätte.
Darüber hinaus waren römische Infrastruktur und Wirtschaft einfach nicht darauf ausgelegt. Sie bauten keine Kohle im großen Stil ab, hatten keine Kultur des Herumtüftelns und Verbesserns von Maschinen, wie es die Industrielle Revolution später verlangt hat. Wenn jemand etwas Cleveres erfand, gab es kein Netzwerk von anderen Erfindern, die darauf aufbauten. Dampfkraft ist erst richtig losgegangen, wenn all diese Faktoren zusammenkamen - Präzisionsfertigung, reichlich Brennstoff, Kapitalinvestitionen, ein Markt, der nach Effizienz lechzte. Die Römer hatten Sklavenarbeit und Aquädukte, die die schwere Arbeit einfach wunderbar verrichteten, also der wirtschaftliche Druck zu innovieren war einfach nicht da.