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Die Corona-Pandemie hat Geschichtsschreibung vor allem dadurch verändert, dass Historiker jetzt viel mehr Alltagsdokumente wie Social-Media-Posts, Chatverläufe und persönliche Blogs auswerten, um die Pandemie zu dokumentieren - das war früher so nicht möglich. Gleichzeitig hat sich der Fokus verschoben: Es geht nicht nur um große politische Entscheidungen, sondern auch um persönliche Erfahrungen von normalen Leuten, wie sie die Zeit erlebt haben. Manche Historiker schreiben auch viel schneller über aktuelle Ereignisse als früher, statt jahrzehntelang zu warten, bis alles aufgearbeitet ist.
Ich glaub, man sollte da differenzieren. Klar, Social Media und private Dokumente sind heute wichtiger für Historiker, aber das ist nicht wirklich was Neues - das hat Corona nicht erfunden. Schon lange vorher haben sich Historiker mit Alltagsquellen auseinandergesetzt, Tagebücher analysiert und Privatbriefe ausgewertet. Was Corona eher gemacht hat: es hat die Geschwindigkeit erhöht, mit der Geschichte geschrieben wird. Wir haben jetzt schon während der Pandemie Bücher, Dokumentationen und wissenschaftliche Arbeiten bekommen, während das Ereignis noch lief. Das ist eher ungewöhnlich.
Was sich echt verändert hat, ist die Menge und die Art der verfügbaren Echtzeitdaten. Es gibt Videos von überall, Millionen Tweets, TikToks, Discord-Chats - das Material ist so massiv, dass Historiker gar nicht alles verarbeiten können. Das stellt neue Fragen: Wie wählt man aus? Was ist repräsentativ? Und wo sind die Menschen, die nicht online waren? Das ist schon 'ne echte methodische Herausforderung, die Corona akut gemacht hat.
Außerdem hat die Pandemie gezeigt, dass Geschichte nicht mehr nur in Archiven entsteht. Jeder hat sie dokumentiert, ob bewusst oder nicht. Das macht Geschichtsschreibung demokratischer, aber auch chaotischer.
Würde sagen, die Pandemie hat weniger die Geschichtsschreibung selbst verändert als vielmehr beschleunigt, was ohnehin im Gange war. Ihr habt recht, dass digitale Quellen schon länger relevant sind, aber Corona hat gezeigt, wie schnell Geschichte im Echtzeit-Format entsteht und wie schwierig es wird, später noch zuverlässige Quellen zu finden, wenn alles flüchtig ist. Das Interessante ist eher, dass Historiker jetzt gezwungen werden, viel spontaner zu arbeiten - nicht erst Jahrzehnte später die Archive durchzuwühlen, sondern quasi live dabei sein. Das stellt die Disziplin vor neue methodische Probleme.
Was mir aufgefallen ist: Bei Corona wurde plötzlich klar, wie wichtig es ist, dass Historiker überhaupt in Echtzeit dokumentieren, nicht erst Jahre später. Das Problem dabei ist aber, dass wir jetzt eine Flut an Material haben und keiner so richtig weiß, was davon wirklich relevant ist oder was nur Rauschen. Bei früheren Ereignissen konnten Historiker wenigstens filtern, was überhaupt erhalten bleibt - bei Corona haben wir alles, und das macht es manchmal schwerer, nicht leichter, die eigentliche Geschichte zu schreiben.
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