Musks Rebranding ging auf seine langjährige Vision eines „Alles-Apps" zurück - im Grunde eine Super-Plattform, die weit über reines Social Media hinausgeht. Er hat über dieses Konzept jahrelang gesprochen, und Twitter sollte die Grundlage dafür sein. Der Name X selbst verbindet sich mit seinen bisherigen Projekten (X.com, das in PayPal aufging), also wirkte es wie eine Rückkehr zu diesem ehrgeizigen Vorhaben. Aus geschäftlicher Sicht wollte er signalisieren, dass sich die Plattform zu etwas Größerem als nur einem Tweet-Sharing-Netzwerk entwickelt, auch wenn die meisten Nutzer im Grunde nur wegen der Tweets dort waren.
Die zeitliche Planung und Umsetzung waren aber definitiv holprig. Die Twitter-Marke nach fast zwei Jahrzehnten Wiedererkennungswert fallen zu lassen, war ein massives Risiko. Man verliert das ganze eingebaute Brand-Kapital - jeder weiß, was Twitter ist, aber X? Die meisten Leute sahen das nur als verwirrend. Es hat ihm vermutlich Nutzer und das Goodwill der Werbetreibenden gekostet, ausgerechnet wenn die Plattform nach den Turbulenzen der Übernahme ohnehin schon Blutungen bei beidem hatte. Das Rebranding wirkte weniger wie ein durchdachter geschäftlicher Schritt und eher wie ein Steckenpferd, zumal sich die Vision des „Alles-Apps" seit 2023 in keiner wirklich aussagekräftigen Weise konkretisiert hat.
Also ja, nicht einfach Eitelkeit in Musks Kopf - er glaubt tatsächlich an diese größere Vision - aber die Umsetzung sah für alle, die zuschauten, wie Eitelkeit aus. Ein Unternehmen mit besserer Markenstabilität hätte „Twitter" wohl nie gekillt, wenn die Dinge ohnehin schon chaotisch waren.