Meine Frau möchte remote arbeiten, aber ich bin dagegen. Wie können wir uns einigen?

Sie hat ein Freelance-Angebot mit ganz ordentlichem Verdienst gefunden, aber mir macht es Sorgen, dass sie den ganzen Tag zu Hause ist, die Hausarbeit und die Kinder vernachlässigt. Mir scheint, sie gehört ins Büro, wo sie sich auf die Arbeit konzentriert. Sie sagt aber, dass es mit Sohn und Tochter so praktischer ist und das Geld brauchen wir. Wie können wir einen Kompromiss finden?

3 Antworten

★ Beste Antwort

Das Wichtigste ist, aufzuhören zu spekulieren, was passieren wird, und sich der Realität anzuschauen: Schlag deiner Frau vor, eine oder zwei Wochen im Homeoffice zu arbeiten, und beobachte, wie sie ihre Zeit tatsächlich einteilt. Vielleicht stellt sich heraus, dass sie disziplinierter ist, als du denkst, oder du merkst echte Probleme, die ihr zusammen lösen könnt - zum Beispiel euch auf eine Zeit einigen, in der sie nicht für Haushaltsaufgaben zur Verfügung steht, oder die Aufgaben im Haushalt neu verteilen. Wenn sie im Büro nicht konzentrierter arbeitet als zu Hause, verschwinden deine Sorgen einfach, und wenn deine Sorgen berechtigt sind, habt ihr konkrete Punkte für ein Gespräch statt nur Vermutungen.

Das Problem liegt nicht darin, wo sie arbeiten wird - im Büro oder zu Hause - sondern darin, dass ihr beide Szenarien in euren Köpfen konstruiert, statt über konkrete Ängste zu sprechen. Du hast Angst, dass die Kinder vernachlässigt werden und es nichts zu essen gibt, sie fürchtet, dass man sie nicht hört. Aber das sind nur Vermutungen, und sie hindern euch daran, eine echte Lösung zu sehen.

Schlag deiner Frau vor, einen Monat lang im Homeoffice zu arbeiten, aber unter einer Bedingung - ihr besprecht vorher zusammen, wie das Leben organisiert wird. Nicht „sie kümmert sich um gar nichts" und nicht „sie wird zur Supermutter mit drei Jobs", sondern konkret: wer kümmert sich wann um die Kinder, wer kocht, wie hilfst du in kritischen Momenten (wenn sie zum Beispiel einen Abgabetermin hat). Ich kannte mal einen Mann, der gegen das Homeoffice seiner Frau war - genau aus dieser Angst heraus. Später haben sie einen Tagesablauf festgelegt, und es stellte sich heraus, dass sie sogar mehr Aufmerksamkeit für die Kinder aufwendet als vorher, weil kein Weg ins Büro und zurück anfällt. Das Wichtigste ist nicht, einfach zuzustimmen oder abzulehnen, sondern die Annahmen durch die Wirklichkeit zu überprüfen.

Und noch etwas Wichtiges: Falls die Familie das Geld braucht, dann ist das nicht ihr Wunsch, sondern eure gemeinsame Notwendigkeit. Es geht nicht um ihre Laune. Vielleicht liegt das Problem gar nicht im Homeoffice, sondern darin, dass es euch beiden so vorkommt, als wäre Arbeiten von zu Hause leichter und nebenbei möglich? Im Gegenteil - später stellt sich oft heraus, dass ein Arbeitsplatz zu Hause viel mehr Disziplin erfordert.

evgeniy_gribnik asker Danke, das klingt vernünftig. Wir werden es einen Monat lang mit einem konkreten Plan versuchen - schauen wir, wie es in der Praxis aussieht.

Hier ist, was mir aufgefallen ist: Wenn ein Partner zu Hause arbeitet und der andere im Büro, entsteht oft das Gefühl, dass der heimarbeitende Partner „weniger" arbeitet - weil man ihn den ganzen Tag sieht. Das schafft einen versteckten Konflikt, bei dem ihr beide anfangt, den anderen für faul zu halten. Schlag deiner Frau vor, einen oder zwei Monate lang remote zu arbeiten, einigt euch aber auf einen konkreten Zeitplan: In welchen Stunden ist sie für Hausarbeit nicht erreichbar, wann hat die Familie Priorität. Und vergesst nicht zu besprechen, wie ihr beide bei den Kindern und im Haushalt helfen werdet - das sollte eine gemeinsame Verantwortung sein, nicht etwas, das sie „zwischen Kundengesprächen" erledigt.

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